Konferenzbaustein · 90 Minuten
Kriterien statt Bauchgefühl
Gemeinsam ein Beurteilungsraster entwickeln
Ziel
Eine Fachschaft entwickelt für eine typische Aufgabe ein gemeinsames Beurteilungsraster mit wenigen, beobachtbaren Kriterien.
Input für die Moderation
Ausformuliert zum direkten Vortragen – du brauchst keine Vorbereitung.
Worum es geht
Ein Beurteilungsraster übersetzt eine Aufgabe in wenige, klare Kriterien und beschriebene Qualitätsstufen. Es ersetzt das «Bauchgefühl» durch etwas, das für Lernende nachvollziehbar und über Lehrpersonen hinweg vergleichbar ist.
Trennscharf und beobachtbar
Ein gutes Kriterium beschreibt etwas, das man sehen oder hören kann – nicht einen Eindruck. «Der Vortrag ist ansprechend» ist Geschmack; «gliedert in Einleitung, Hauptteil, Schluss und hält Blickkontakt» ist beobachtbar. Trennscharf heisst: Kriterien überschneiden sich nicht.
Validität zuerst
Die wichtigste, am leichtesten übersehene Frage: Misst das Kriterium die Zielkompetenz – oder eine Nebenfertigkeit? Rechtschreibung im Fach Geschichte zu gewichten ist objektiv und zuverlässig, aber für das historische Verständnis wenig gültig. Leicht messbar ist nicht dasselbe wie valide.
Mittlere Stufe zuerst
Beim Formulieren der Niveaustufen ist die mittlere (die Regelerwartung) am schwersten zu fassen – und am wichtigsten. Beschreibt sie zuerst, dann die Stufe darüber und darunter. So vermeidet ihr, dass nur «brillant» und «ungenügend» klar sind und die Mitte verschwimmt.
Weniger ist mehr
Drei bis vier Kriterien sind für Lernende wie Lehrpersonen handhabbarer als acht. Lieber wenige, die den Kern treffen, als eine Liste, die niemand mehr überblickt. Vor dem verbindlichen Einsatz das Raster an echten Arbeiten erproben und nachschärfen.
Ablauf
- 15′
Aufgabe wählen
Eine wiederkehrende, offene Aufgabe aus dem Fach bestimmen (z. B. Präsentation, Text, Experiment).
- 20′
Kriterien sammeln
Sammeln, woran sich Qualität bei dieser Aufgabe zeigt, und auf drei bis vier trennscharfe Kriterien verdichten. Die Grundsätze dazu stehen unten im Abschnitt «Input für die Moderation».
- 30′
Niveaustufen formulieren
Zu jedem Kriterium Qualitätsstufen beschreiben. Der Raster-Builder hilft beim Formulieren und Exportieren.
- 20′
An echten Arbeiten testen
Das Raster an zwei bis drei echten Schülerarbeiten erproben und nachschärfen.
- 5′
Verbindlichkeit klären
Festlegen, wer das Raster wie nutzt und wann es überprüft wird.
Moderationsleitfaden
- Weniger ist mehr: drei bis vier Kriterien sind für Lernende und Lehrpersonen handhabbarer als acht.
- Beschreibt die mittlere Stufe zuerst – sie ist am schwierigsten zu fassen.
- Nutzt den Raster-Builder, um das Ergebnis direkt als PDF oder Word zu sichern.
Fallbeispiele
Für die Fallarbeit in diesem Baustein. Die Auflösung ist für dich als moderierende Person gedacht – auf dem Arbeitsblatt für die Teilnehmenden erscheint sie nicht.
Fall 1. Ein Kriterium lautet: «Der Vortrag ist ansprechend gestaltet.»
Taugt das als Kriterium – und wenn nein, wie besser?
Auflösung: Nicht beobachtbar, reine Geschmacksfrage. Besser in Sichtbares übersetzen: «gliedert klar in Einleitung/Hauptteil/Schluss», «setzt Medien gezielt ein», «hält Blickkontakt».
Fall 2. In einem Geschichts-Essay macht die Rechtschreibung einen grossen Teil der Note aus.
Was ist das Problem?
Auflösung: Validitätsproblem: Bewertet wird eine Nebenfertigkeit statt der Zielkompetenz (historisches Argumentieren). Rechtschreibung darf zählen – aber nicht den Kern verdrängen.
Fall 3. Ein Team hat acht Kriterien für einen kurzen Text, mehrere davon überschneiden sich («Wortschatz», «Ausdruck», «Sprache»).
Wie kommt ihr auf drei bis vier?
Auflösung: Überschneidungen zusammenlegen und auf das Wesentliche verdichten. Wenige trennscharfe Kriterien sind zuverlässiger als viele unscharfe.
Fall 4. Beim Formulieren der Stufen ist nur die Spitzenstufe klar beschrieben («brillant, originell»), Mitte und unteres Niveau bleiben vage.
Wo solltet ihr ansetzen?
Auflösung: Zuerst die mittlere Stufe (Regelerwartung) beschreiben – sie ist der wichtigste Bezugspunkt. Von dort aus wird oben und unten trennscharf.
Diskussionskarten
Welche unserer bisherigen Kriterien überschneiden sich und lassen sich zusammenlegen?
Wo bewerten wir eigentlich eine Nebenfertigkeit statt der Zielkompetenz?
Wie stellen wir sicher, dass Lernende das Raster verstehen?
Welche Gewichtung geben wir den Kriterien – und warum?
Ergebnisformular
Aufgabe, für die das Raster gilt
Unsere Kriterien
Wer nutzt es ab wann