Arbeitsblatt · Konferenzbaustein
Kriterien statt Bauchgefühl
Gemeinsam ein Beurteilungsraster entwickeln
Zum Nachschlagen
Worum es geht
Ein Beurteilungsraster übersetzt eine Aufgabe in wenige, klare Kriterien und beschriebene Qualitätsstufen. Es ersetzt das «Bauchgefühl» durch etwas, das für Lernende nachvollziehbar und über Lehrpersonen hinweg vergleichbar ist.
Trennscharf und beobachtbar
Ein gutes Kriterium beschreibt etwas, das man sehen oder hören kann – nicht einen Eindruck. «Der Vortrag ist ansprechend» ist Geschmack; «gliedert in Einleitung, Hauptteil, Schluss und hält Blickkontakt» ist beobachtbar. Trennscharf heisst: Kriterien überschneiden sich nicht.
Validität zuerst
Die wichtigste, am leichtesten übersehene Frage: Misst das Kriterium die Zielkompetenz – oder eine Nebenfertigkeit? Rechtschreibung im Fach Geschichte zu gewichten ist objektiv und zuverlässig, aber für das historische Verständnis wenig gültig. Leicht messbar ist nicht dasselbe wie valide.
Mittlere Stufe zuerst
Beim Formulieren der Niveaustufen ist die mittlere (die Regelerwartung) am schwersten zu fassen – und am wichtigsten. Beschreibt sie zuerst, dann die Stufe darüber und darunter. So vermeidet ihr, dass nur «brillant» und «ungenügend» klar sind und die Mitte verschwimmt.
Weniger ist mehr
Drei bis vier Kriterien sind für Lernende wie Lehrpersonen handhabbarer als acht. Lieber wenige, die den Kern treffen, als eine Liste, die niemand mehr überblickt. Vor dem verbindlichen Einsatz das Raster an echten Arbeiten erproben und nachschärfen.
Aufgabe: Fälle einschätzen
Lies jeden Fall und notiere deine Einschätzung – und weshalb.
Fall 1. Ein Kriterium lautet: «Der Vortrag ist ansprechend gestaltet.»
Taugt das als Kriterium – und wenn nein, wie besser?
Einschätzung und Begründung:
Fall 2. In einem Geschichts-Essay macht die Rechtschreibung einen grossen Teil der Note aus.
Was ist das Problem?
Einschätzung und Begründung:
Fall 3. Ein Team hat acht Kriterien für einen kurzen Text, mehrere davon überschneiden sich («Wortschatz», «Ausdruck», «Sprache»).
Wie kommt ihr auf drei bis vier?
Einschätzung und Begründung:
Fall 4. Beim Formulieren der Stufen ist nur die Spitzenstufe klar beschrieben («brillant, originell»), Mitte und unteres Niveau bleiben vage.
Wo solltet ihr ansetzen?
Einschätzung und Begründung:
Unsere Vereinbarung
Aufgabe, für die das Raster gilt
Unsere Kriterien
Wer nutzt es ab wann
Beurteilungskompass — kompetenzorientiert beurteilen. Textgrundlage: Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023, CC BY 4.0.