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Beurteilungskompass
werkzeug· ca. 30 Min.· formativ, summativ

Ein Beurteilungsraster erstellen

Passt zu: Planen und Ziele setzen, Analysieren und bewerten

Rubrics können Transparenz und Selbstregulation fördern (Panadero und Jonsson 2013), wirken aber nur, wenn Lernende sie aktiv nutzen. Die blosse Existenz eines Rasters verbessert die Beurteilung nicht.

Was

Ein Beurteilungsraster (Rubric) legt für 2 bis 6 Kriterien fest, woran sich unterschiedliche Qualitätsstufen einer Leistung zeigen. Es macht Erwartungen für Lernende transparent und erhöht die Objektivität der Bewertung.

Direkt ausprobieren: Mit dem Raster-Builder erstellst du ein eigenes Raster online, druckst es als PDF, exportierst es als Word-Datei oder teilst es per Link — ohne Login.

Wann einsetzen

Bei jeder komplexeren, offenen Aufgabe (Präsentation, Text, Gestaltung, Bewegungsfolge), bei der es mehr als «richtig/falsch» gibt – formativ zur Selbsteinschätzung, summativ zur Bewertung.

So geht's

  1. Leite die Kriterien aus den Lernzielen der Einheit ab – 3 bis 4 Kriterien sind für Lernende überschaubarer als 8.
  2. Formuliere für jedes Kriterium 3 bis 4 Qualitätsstufen in Ich-Form oder als beobachtbares Verhalten, nicht als Punktzahl ohne Beschreibung.
  3. Beschreibe die mittlere Stufe zuerst – sie ist meist am schwierigsten präzise zu fassen; die Extremstufen ergeben sich danach leichter.
  4. Teste das Raster an zwei bis drei echten Schülerarbeiten, bevor es eingesetzt wird – passen die Formulierungen zur tatsächlichen Bandbreite der Leistungen?
  5. Gib das Raster den Lernenden vor der Aufgabe, nicht erst bei der Bewertung.

Beispiel

Für einen Fake-News-Beitrag im Fach Medien und Informatik wird statt einer Punkteskala mit «vorhanden/nicht vorhanden» gearbeitet, wo eine Zwischenstufe wenig Sinn ergibt (z. B. Täuschungsabsicht: erkennbar – nicht erkennbar), und mit beschriebenen Qualitätsstufen dort, wo Abstufungen sinnvoll sind (z. B. reisserischer Titel: stark wirksam – vorhanden, aber schwach – fehlt).

Stolpersteine

  • Kriterien, die nicht trennscharf sind, führen zu Doppelbewertungen desselben Aspekts.
  • Eine rein numerische Skala ohne Beschreibung lädt zu Durchschnittsrechnungen ein, die fachlich wenig aussagen.
  • Ein zu detailliertes Raster (mehr als 6 Kriterien) überfordert sowohl beim Beurteilen als auch beim Verstehen durch die Lernenden.

Belege

Fachliche Grundlage: verschiedene, «Kapitel 7, Fachbeispiele», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).