Konferenzbaustein · 45 Minuten
Feedbackkultur entwickeln
Eine gemeinsame Sprache für lernförderliches Feedback
Ziel
Das Team entwickelt gemeinsame Prinzipien und Formulierungen für lernförderliches Feedback, die über Fächer hinweg tragen.
Input für die Moderation
Ausformuliert zum direkten Vortragen – du brauchst keine Vorbereitung.
Worum es geht
Feedback ist der Kern formativer Beurteilung: Es begleitet das Lernen, statt es nur zu bilanzieren. Eine gemeinsame Sprache dafür sorgt dafür, dass Lernende über Fächer hinweg vergleichbare, nützliche Rückmeldungen erhalten.
Sachbezogen statt personbezogen
Lernförderliches Feedback richtet sich an die Sache, nicht an die Person. «Du bist halt kein Schreiber» bewertet die Person und entmutigt. «Der Mittelteil braucht pro Argument ein Beispiel» richtet sich an den Text und zeigt einen Weg.
Der nächste Schritt zählt
Gutes Feedback beantwortet drei Fragen: Wo will ich hin? Wo stehe ich? Was ist mein nächster Schritt? Vor allem der konkrete nächste Schritt (feed forward) macht Rückmeldung wirksam – Lob allein («super!») tut das nicht.
Weniger, aber gezielt
Zwanzig Randbemerkungen überfordern und werden ignoriert. Ein bis zwei priorisierte, umsetzbare Hinweise bringen mehr. Feedback wirkt zudem nur, wenn danach Zeit bleibt, es umzusetzen – sonst ist es folgenlos.
Lernende befähigen
Selbst- und Peerfeedback stärken das Lernen zusätzlich – aber nur, wenn Lernende es lernen. Klare Satzanfänge und ein einfaches Kriterienraster helfen, damit Peerfeedback sachbezogen und freundlich bleibt.
Ablauf
- 10′
Erfahrungen teilen
Kurz austauschen: Welches Feedback hat mich als Lernende oder Lernenden weitergebracht – welches nicht?
- 15′
Beispiele bewerten
Anhand der Formulierungs-Beispiele (siehe Abschnitt «Fallbeispiele» bzw. Arbeitsblatt) gemeinsam einschätzen, was lernförderlich ist und warum. Die Feedback-Formulierungshilfe ergänzt weitere Satzanfänge.
- 15′
Prinzipien festhalten
Drei bis vier gemeinsame Feedback-Prinzipien formulieren (z. B. sachbezogen, konkreter nächster Schritt).
- 5′
Ausprobieren vereinbaren
Vereinbaren, die Prinzipien bis zur nächsten Sitzung bewusst zu erproben.
Moderationsleitfaden
- Nutze die Feedback-Formulierungshilfe als gemeinsame Referenz.
- Achte darauf, dass die Prinzipien konkret und überprüfbar sind, nicht wohlklingend und leer.
- Sammle nach der Erprobungsphase Erfahrungen ein.
Fallbeispiele
Für die Fallarbeit in diesem Baustein. Die Auflösung ist für dich als moderierende Person gedacht – auf dem Arbeitsblatt für die Teilnehmenden erscheint sie nicht.
Fall 1. Unter einer Arbeit steht: «Sehr gut gemacht! Weiter so.»
Lernförderlich – oder nicht?
Auflösung: Freundlich, aber folgenlos: kein Sachbezug, kein nächster Schritt. Die Lernende weiss nicht, was genau gut war oder wie es weitergeht.
Fall 2. Rückmeldung an einen Schüler: «Du bist einfach nicht so der Schreiber.»
Was richtet das an?
Auflösung: Personbezogen und entmutigend – es schreibt eine feste Eigenschaft zu, statt einen Weg zu zeigen. Lernförderlich wäre eine sachbezogene, umsetzbare Rückmeldung zum Text.
Fall 3. «Der Einstieg macht neugierig. Im Hauptteil fehlt zu jedem Argument ein Beispiel – ergänze eines, dann trägt die Begründung.»
Warum funktioniert das?
Auflösung: Sachbezogen, beginnt beim Gelingenden und zeigt einen konkreten, umsetzbaren nächsten Schritt. Genau so soll lernförderliches Feedback klingen.
Fall 4. Eine Lehrperson verteilt fünfzehn Randbemerkungen über eine ganze Seite.
Was wäre wirksamer?
Auflösung: Zu viel – das meiste bleibt liegen. Ein bis zwei priorisierte Hinweise, für die danach Zeit zum Umsetzen bleibt, wirken stärker.
Diskussionskarten
Was unterscheidet «gut gemacht» von einer lernförderlichen Rückmeldung?
Wie geben wir Feedback, das den nächsten Schritt zeigt, ohne zu entmutigen?
Wie viel Feedback ist hilfreich – und wann ist es zu viel?
Wie befähigen wir Lernende, einander gutes Feedback zu geben?
Ergebnisformular
Unsere Feedback-Prinzipien
Was wir bis zur nächsten Sitzung erproben