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Beurteilungskompass

Formativ, summativ, prognostisch

Beurteilung erfüllt in der Schule drei unterschiedliche Funktionen – und die Verwechslung dieser Funktionen ist eine häufige Ursache für Missverständnisse zwischen Lehrpersonen, Lernenden und Eltern.

LernprozessÜbergang / Laufbahn
formativ

während des Lernens

begleitet und fördert, keine zwingende Note

summativ

am Ende einer Einheit

bilanziert einen Lernstand, oft mit Note

prognostisch

am Übergang

stützt Laufbahnentscheide, gesellschaftliche Tragweite

Der Unterschied liegt im «Wann» und im Zweck – nicht zwingend im Instrument.

Unsicher, welche Funktion dein Anlass hat? Der Entscheidungshelfer «Welche Beurteilung passt?» führt dich mit fünf Fragen zu einer Empfehlung.

Formative Beurteilung begleitet den Lernprozess. Sie liefert Lernenden und Lehrperson laufend Informationen darüber, wo jemand steht und was der nächste Schritt ist – ohne dass daraus zwingend eine Note entsteht. Ihr Zweck ist die Förderung, nicht die Bilanzierung.

Summative Beurteilung bilanziert einen Lernstand zu einem bestimmten Zeitpunkt, meist am Ende einer Lerneinheit oder Periode. Sie mündet oft, aber nicht zwingend, in einer Note. Wichtig ist, dass die dafür verwendeten Kriterien den Lernenden vorher bekannt waren.

Prognostische Beurteilung nutzt Beurteilungsergebnisse, um Entscheide über die weitere Laufbahn zu treffen – etwa einen Übertritt in eine andere Schulstufe oder ein Anspruchsniveau. Sie hat damit eine gesellschaftliche Zuweisungsfunktion (Allokation), die über den einzelnen Unterricht hinausreicht und deshalb besonders sorgfältig begründet werden muss.

Dieselbe Aufgabe kann je nach Absicht unterschiedlich eingesetzt werden: Ein Beurteilungsraster, das während einer Übungsphase formativ genutzt wird, kann später für dieselbe Leistung summativ verwendet werden – solange das den Lernenden von Anfang an klar ist.

In 5 Minuten

  • Formativ: begleitet das Lernen, fördert, keine zwingende Note.
  • Summativ: bilanziert einen Lernstand, oft mit Note.
  • Prognostisch: stützt Laufbahnentscheide, hat gesellschaftliche Tragweite.
  • Verwirrung entsteht vor allem dann, wenn Lernenden die Funktion eines Beurteilungsanlasses nicht klar kommuniziert wurde.

Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 2.5, Grundlagen», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).