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Beurteilungskompass
methode· ca. 10 Min.· formativ, summativ, prognostisch

Bezugsnorm bewusst wählen

Passt zu: Analysieren und bewerten

Was

Vor jeder Bewertung lohnt sich die bewusste Entscheidung, an welchem Massstab eine Leistung gemessen wird: an Kriterien (Sachnorm), am eigenen Fortschritt (Individualnorm) oder im Vergleich zur Gruppe (Sozialnorm). Details zu den drei Normen stehen in der Grundlagenseite Bezugsnormen.

Wann einsetzen

Bei jeder Bewertung – am wichtigsten aber vorab bei der Planung eines Beurteilungsanlasses, nicht erst im Nachhinein bei der Korrektur.

So geht's

  1. Kläre den Zweck: Geht es um Rückmeldung zum Lernfortschritt (Individualnorm eignet sich), um erreichte Kompetenz (Sachnorm) oder um einen Laufbahnentscheid (Sozialnorm manchmal unumgänglich)?
  2. Wähle in der Regel die Sachnorm als tragende Norm für Zeugnisnoten.
  3. Nutze die Individualnorm ergänzend im Feedbackgespräch, nicht als alleinige Grundlage der Note.
  4. Kommuniziere die gewählte Norm den Lernenden und, wo relevant, den Eltern.
  5. Sei besonders zurückhaltend mit der Sozialnorm ausserhalb klar begründeter, selektiver Verfahren.

Beispiel

Beim Seilspringen wird die Sachnorm angewendet (klare Kriterien wie «Sprungfolge wird fehlerfrei präsentiert»), während im begleitenden Lernjournal zusätzlich der individuelle Fortschritt reflektiert wird – beide Normen ergänzen sich, ohne vermischt zu werden.

Stolpersteine

  • Unbewusster Wechsel der Norm innerhalb derselben Klasse führt zu als ungerecht erlebten Unterschieden.
  • Die Sozialnorm für eine reguläre Zeugnisnote zu nutzen, widerspricht dem Kompetenzgedanken des Lehrplans 21.
  • Eltern und Lernende gehen oft implizit von einer anderen Norm aus als die Lehrperson – das lohnt sich, aktiv zu klären.

Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 7.3», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).