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Beurteilungskompass

Bezugsnormen der Beurteilung

Jede Bewertung setzt eine Leistung in Bezug zu einem Massstab – dieser Massstab heisst Bezugsnorm. Drei Normen sind zu unterscheiden: die Sachnorm, die Individualnorm und die Sozialnorm.

Sachnormkriterial

gemessen an vorher festgelegten Kriterien

Tragende Norm für kompetenzorientierte Beurteilung.

tragende Norm
Individualnorm

gemessen am eigenen Lernfortschritt

Stark für Feedback – allein ungeeignet für die Note.

Sozialnorm

gemessen im Vergleich zur Klasse

Nur mit Vorsicht bei selektiven Entscheiden.

Drei Bezugsnormen – drei Massstäbe. Die gewählte Norm entscheidet, was eine Bewertung überhaupt aussagt.

Sachnorm (kriteriale Norm): Die Leistung wird an vorher festgelegten, fachlichen Kriterien gemessen – unabhängig davon, wie andere Lernende abschneiden oder wie sich die einzelne Person entwickelt hat. Für kompetenzorientierte Beurteilung ist dies in der Regel die tragende Norm, weil sie sich direkt auf die Lehrplankompetenz bezieht.

Individualnorm: Die Leistung wird am bisherigen Lernfortschritt derselben Person gemessen. Sie eignet sich sehr gut für formatives Feedback und zur Stärkung der Motivation, ist aber für eine Zeugnisnote allein ungeeignet, weil sie keine Aussage über das erreichte Kompetenzniveau macht.

Sozialnorm: Die Leistung wird im Vergleich zu einer Gruppe (z. B. der Klasse) eingeordnet. Sie ist bei prognostischen, selektiven Entscheiden manchmal unumgänglich, sollte aber nicht mit einer Aussage über erreichte Kompetenz verwechselt werden – eine gute Note in einer schwachen Klasse bedeutet nicht dasselbe wie in einer starken.

Entscheidend ist, welche Norm für welchen Zweck gewählt und wie transparent das kommuniziert wird. Viele als «ungerecht» erlebte Beurteilungssituationen entstehen, weil Lernende oder Eltern eine andere Norm erwarten als die Lehrperson tatsächlich angewendet hat.

In 5 Minuten

  • Sachnorm: an Kriterien gemessen – Standard für kompetenzorientierte Beurteilung.
  • Individualnorm: am eigenen Fortschritt gemessen – stark für Feedback, schwach für Noten.
  • Sozialnorm: im Vergleich zur Gruppe – nur mit Vorsicht bei selektiven Entscheiden.
  • Klarheit über die verwendete Norm verhindert die meisten «Das ist unfair»-Konflikte.

Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 7.3», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).