Selbstbeurteilung einführen
Passt zu: Lernangebot nutzen
Was
Selbstbeurteilung leitet Lernende an, den eigenen Lernstand anhand von Kriterien einzuschätzen – als Grundlage, um Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen, nicht als Ersatz für die Beurteilung durch die Lehrperson.
Wann einsetzen
Während einer Übungsphase, vor einer Peer- oder Fremdbeurteilung, oder als Vorbereitung auf ein Standortgespräch.
So geht's
- Beginne mit einfachen, konkreten Fragen («Was gelingt mir schon gut?», «Woran will ich noch arbeiten?»), nicht mit einer abstrakten Gesamtnote.
- Nutze dasselbe Kriterienraster, das auch für die spätere Fremdbeurteilung gilt – das schafft Konsistenz.
- Übe Selbsteinschätzung zuerst an neutralem Material (z. B. einer fiktiven Beispielarbeit), bevor sie auf die eigene Arbeit angewendet wird.
- Vergleiche gelegentlich Selbst- und Fremdeinschätzung im Gespräch, statt beide Ergebnisse unkommentiert nebeneinanderstehen zu lassen.
- Nutze Portfolios oder Lernjournale, um Selbstbeurteilung über längere Zeit sichtbar zu machen.
Beispiel
Beim Seilspringen im Sportunterricht reflektieren die Lernenden mit gezielten Fragen («Wie gelingen die Übergänge?») ihre eigene Bewegungsqualität, bevor die Lehrperson die abschliessende Sprungfolge summativ beurteilt.
Stolpersteine
- Ohne Übung überschätzen oder unterschätzen sich viele Lernende zunächst deutlich.
- Wird Selbstbeurteilung direkt in die Note eingerechnet, kann das zu strategischem statt ehrlichem Antworten verleiten.
- Zu abstrakte Fragen («Wie gut war ich?») liefern wenig verwertbare Information – konkrete, kriterienbezogene Fragen funktionieren deutlich besser.
Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 5.1», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).