Arbeitsblatt · Konferenzbaustein
Gemeinsames Beurteilungsverständnis
Wo stehen wir als Team – und wohin wollen wir?
Zum Nachschlagen
Worum es geht
Ein gemeinsames Beurteilungsverständnis heisst nicht, dass alle gleich prüfen – sondern dass wir dieselben Grundsätze teilen und ähnliche Leistungen ähnlich einschätzen. Ohne diese Verständigung bedeutet dieselbe Note in zwei Klassen schnell etwas Verschiedenes.
Kompetenz ist mehr als Wissen
Der Lehrplan 21 versteht Kompetenzen als erweiterte Lernziele: Wissen und Können verbunden mit der Bereitschaft, in einer konkreten Situation zu handeln. Kompetenzorientierte Beurteilung fragt deshalb nicht «Was weiss jemand?», sondern «Was kann jemand in einer Anwendungssituation damit tun?».
Leistung ist nicht gleich Potenzial
Zwischen gezeigter Leistung (Performanz) und tatsächlichem Können liegt oft eine Lücke – jemand traut sich nicht, die Aufgabe spricht nicht an, der Moment sitzt nicht. Eine faire Beurteilung stützt sich auf mehrere Situationen statt auf eine einzelne Momentaufnahme.
Reichhaltige Aufgaben zeigen mehr
Wissen lässt sich leicht abfragen, Können zeigt sich erst in der Anwendung, Bereitschaft ist am schwersten sichtbar. Aufgaben, die Handeln, Begründen und Reflektieren verlangen, machen mehrere Dimensionen gleichzeitig sichtbar – auch wenn sie aufwendiger zu organisieren sind.
Warum als Team
Vergleichbarkeit und Fairness über Klassen hinweg entstehen nur, wenn ein Kollegium ein geteiltes Bild von guter Beurteilung hat. Ein bis zwei bewusst gewählte Entwicklungsfelder bringen mehr als ein grosses Konzept, das niemand umsetzt.
Aufgabe: Fälle einschätzen
Lies jeden Fall und notiere deine Einschätzung – und weshalb.
Fall 1. Zwei Lehrpersonen bewerten denselben Schülervortrag sehr unterschiedlich – die eine achtet vor allem auf den Inhalt, die andere auf das sichere Auftreten.
Woran liegt der Unterschied, und was würde helfen?
Einschätzung und Begründung:
Fall 2. Eine Schülerin erklärt den Stoff im Gespräch sicher, in der schriftlichen Prüfung bricht sie ein.
Was sagt das über ihre Kompetenz – und über unsere Prüfung?
Einschätzung und Begründung:
Fall 3. In einem Team wird fast nur auswendig abrufbares Wissen geprüft, weil sich das am einfachsten und objektivsten benoten lässt.
Was geht dabei verloren?
Einschätzung und Begründung:
Fall 4. «Fair» heisst für die eine Lehrperson: alle bekommen exakt dieselbe Aufgabe unter denselben Bedingungen. Für die andere: die Aufgabe wird an die Voraussetzungen angepasst.
Wer hat recht?
Einschätzung und Begründung:
Unsere Vereinbarung
Unsere zwei wichtigsten Entwicklungsfelder
Was wir bereits gut machen
Nächster Schritt und wer ihn verantwortet
Beurteilungskompass — kompetenzorientiert beurteilen. Textgrundlage: Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023, CC BY 4.0.