Was heisst kompetenzorientiert?
Der Lehrplan 21 versteht Kompetenzen als erweiterte Lernziele: Sie verknüpfen Wissen und Können mit fachlichen, personalen, sozialen und methodischen Dimensionen. Kompetenzorientierter Unterricht fragt deshalb nicht nur «Was weiss jemand?», sondern «Was kann jemand in einer konkreten Situation damit tun?». Das verschiebt den Fokus der Beurteilung: Statt reines Faktenwissen abzufragen, wird beobachtet, wie Wissen, Fertigkeiten und Haltung in einer Anwendungssituation zusammenwirken.
Zu einer Kompetenz gehört mehr als Wissen und Können. Auch Wille, Motivation und Bereitschaft spielen eine Rolle: Eine Schülerin kann etwas können und es trotzdem nicht zeigen – weil sie sich nicht traut, weil eine Aufgabe sie nicht anspricht, oder weil sie an einer bewährten, aber weniger effizienten Strategie festhält. Beurteilung muss diesen Unterschied zwischen Potenzial und gezeigter Leistung (Performanz) mitdenken, statt aus einer einzelnen Momentaufnahme vorschnelle Schlüsse zu ziehen.
Der Lehrplan 21 unterscheidet fachliche Kompetenzen (entlang der Fachbereiche, aufbauend über drei Zyklen) von überfachlichen Kompetenzen (personal, sozial, methodisch) und – im 1. Zyklus – von entwicklungsorientierten Zugängen. Diese drei Ebenen sind eng verflochten: Überfachliche Kompetenzen lassen sich nicht losgelöst von fachlichen Inhalten aufbauen, sondern immer nur in ihrem Vollzug.
Fachliche und überfachliche Kompetenzen
Kompetenzen entstehen nicht getrennt voneinander. Fachliches Lernen ist eng mit personalen, sozialen und methodischen Kompetenzen verbunden. Überfachliche Kompetenzen entwickeln sich dabei nicht losgelöst, sondern in konkreten fachlichen Aufgaben, Lernprozessen und Anwendungssituationen.
Grafik vergrössernKompetenz wird in der Performanz sichtbar
Kompetenzen lassen sich nicht direkt beobachten. Sichtbar werden sie erst, wenn Lernende ihr Wissen, Können und Wollen in einer konkreten Situation einsetzen. Beobachtet und beurteilt werden deshalb Handlungen und Produkte. Aus dieser Performanz können begründete Rückschlüsse auf die zugrunde liegenden Kompetenzen gezogen werden.
Eine einzelne beobachtete Leistung bildet das gesamte Kompetenzpotenzial nicht vollständig ab. Aussagekräftige Beurteilungen stützen sich deshalb auf mehrere und unterschiedliche Beurteilungsanlässe.
In 5 Minuten
- Kompetenz = Wissen und Können und Bereitschaft, in einer konkreten Situation zu handeln.
- Beurteilung fragt nach der Anwendung, nicht nur nach abrufbarem Wissen.
- Fachliche, überfachliche und entwicklungsorientierte Kompetenzen sind eng verflochten.
- Zwischen gezeigter Leistung (Performanz) und tatsächlichem Potenzial zu unterscheiden ist zentral für eine faire Beurteilung.
Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 2, Grundlagen», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).