Kompetenzdimensionen
Eine Kompetenz zeigt sich nie in nur einer Dimension. Wer beurteilt, ob jemand etwas «kann», beurteilt implizit immer ein Zusammenspiel aus mehreren Bausteinen:
- Wissen (deklarativ): Fakten, Konzepte, Zusammenhänge, die jemand kennt.
- Können (prozedural): Fertigkeiten und Strategien, die jemand tatsächlich anwenden kann.
- Wollen / Bereitschaft: Motivation, Anstrengungsbereitschaft, Zutrauen in die eigene Wirksamkeit.
Diese Dimensionen sind unterschiedlich gut beobachtbar. Wissen lässt sich vergleichsweise einfach durch Fragen prüfen. Können zeigt sich erst in der Anwendung – oft unter Zeit- oder Sozialdruck, was das Ergebnis verzerren kann. Die Bereitschaft ist am schwierigsten direkt zu beobachten, beeinflusst aber massgeblich, ob gezeigte Leistung dem tatsächlichen Potenzial entspricht.
Für die Praxis heisst das: Eine Beurteilung, die sich nur auf leicht abprüfbares Wissen stützt, wird der Kompetenz nicht gerecht – auch wenn sie am einfachsten zu organisieren ist. Reichhaltige Aufgaben, die Handeln, Begründen und Reflektieren verlangen, machen mehr Dimensionen gleichzeitig sichtbar.
In 5 Minuten
- Kompetenz = Wissen + Können + Bereitschaft, nicht nur eines davon.
- Je leichter abprüfbar eine Dimension ist, desto grösser die Versuchung, sich darauf zu beschränken – auf Kosten der Aussagekraft.
- Reichhaltige, handlungsorientierte Aufgaben zeigen mehr Dimensionen gleichzeitig.
Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 2.3, Grundlagen», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).